
Die Nacht der Catrina
Ein Ritual aus Haut und Feuer
Oaxaca, Ende Oktober: Die Stadt schmückt ihre Altäre, Copal-Rauch zieht durch die Gassen, und die Künstlerin Marisol bemalt ihre Haut für die Nacht der Catrina. Zwischen Cempasúchil-Blüten, Trommeln und Mezcal begegnet sie dem Historiker Diego – und der geheimnisvollen Witwe Elena, die sie in ein altes Ritual einweiht. In den Nächten von Día de los Muertos verwischen die Grenzen zwischen Leben und Tod, zwischen Hingabe und Entgrenzung. Ein dunkler, sinnlicher Fiebertraum aus Haut und Feuer – die bislang kompromissloseste Erzählung der Autorin.
»Es war der 26. Oktober, sechs Tage vor der großen Nacht von Día de los Muertos, und Oaxaca pulsierte bereits wie ein lebendiger Organismus.«Kapitel 1 – Das Flüstern der Altäre
»Draußen in den Gassen sangen Kinder, Glocken läuteten, und der Geruch von gebratenem Mais mischte sich mit dem süßen Rauch der Altäre.«Kapitel 1 – Das Flüstern der Altäre
»Kein Kostüm. Keine Maske. Nur Farbe auf Haut – ein lebendiger Calavera, der atmete.«Kapitel 2 – Die Bemalung der Haut
»Der 28. Oktober kam mit einem leichten Regen, der die Straßen von Oaxaca in glänzende Spiegel verwandelte.«Kapitel 3 – Schatten der Vergangenheit
»Der 30. Oktober lag schwer und süß über Oaxaca, als ob die Stadt selbst ihren Atem anhielt.«Kapitel 5 – Die Erste Berührung
»Oaxaca war ein lebendiger Organismus aus Farben, Trommeln und Körpern.«Kapitel 6 – Der Tanz der Calaveras
Aus Kapitel 1 – Das Flüstern der Altäre (gekürzt, jugendfreie Passagen)
Die Luft in Marisol Reyes’ kleinem Atelier roch nach Terpentin, frischem Copal und dem leichten, metallischen Duft ihrer eigenen Erregung. Es war der 26. Oktober, sechs Tage vor der großen Nacht von Día de los Muertos, und Oaxaca pulsierte bereits wie ein lebendiger Organismus. Draußen in den Gassen sangen Kinder, Glocken läuteten, und der Geruch von gebratenem Mais mischte sich mit dem süßen Rauch der Altäre.
»Abuela«, flüsterte sie in die flackernden Kerzen hinein, »zeig mir, was du meintest.«
Ihre Großmutter war vor drei Jahren gegangen, aber in den Nächten vor Allerseelen fühlte sich ihr Geist näher an als je. […]
Sie stand auf […], ging zum Spiegel. Betrachtete sich: die ersten schwarzen Linien auf ihrer Haut. Sie lächelte. Heute Abend würde sie sprechen – in der alten Bibliothek, über Catrinas und Rituale. Und sie wusste bereits, dass er dort sein würde.
Diego Vargas.
Sie hatte seinen Namen in den Flyern gesehen. Historiker, Experte für aztekische Mythologie, Dozent an der Universität. Seine Fotos zeigten einen Mann mit scharfen Wangenknochen, dunklen Augen und einem Mund, der aussah, als könnte er sündigen und segnen zugleich.
[…]
Die Bibliothek war alt, mit hohen Decken und dem Geruch von altem Papier und Weihrauch. Als Marisol eintrat, spürte sie Blicke – neugierig, hungrig. Sie hielt ihren Vortrag: über die Catrina als Symbol der Vergänglichkeit, über die Körperbemalung als Brücke zwischen Leben und Tod. Ihre Stimme war ruhig, aber darunter vibrierte etwas Animalisches.
Und dann sah sie ihn.
Nach dem Vortrag kam er zu ihr. Die meisten Gäste waren schon gegangen. Nur Kerzen brannten noch.
»Ihre Catrinas«, sagte er leise, »sie atmen.«
Er trat näher. Zu nah. Sie roch ihn – Copal, Leder, Mann. Seine Hand hob sich, strich eine Strähne aus ihrem Gesicht. Der Daumen streifte ihre Unterlippe.
»Und Sie«, flüsterte er, »atmen sie auch.«
[…]
»Noch nicht«, sagte sie stattdessen. »Die Toten warten bis zur richtigen Nacht.«
Er lachte leise, dunkel.
»Dann bis bald, Marisol. Ich werde da sein, wenn die Grenzen fallen.«
Die Woche hatte gerade erst begonnen.

Marisol Reyes
Künstlerin in Oaxaca. Sie bereitet sich auf den Día de los Muertos vor, indem sie ihren nackten Körper als lebende Calavera bemalt.
»Abuela, zeig mir, was du meintest.«
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Wandelt sich von einer suchenden Künstlerin zu einem Kelch für die Toten und schließlich zur souveränen Priesterin und Leiterin der Rituale.

Diego Vargas
Historiker, Experte für aztekische Mythologie und Dozent an der Universität in Oaxaca. Er ist das lebende Gefäß für den aztekischen Hundegott Xolotl.
»Ihre Catrinas, sie atmen.«
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Bleibt konstant in seiner Rolle als Führer und Gefäß, festigt aber seine Bindung zu Marisol als seiner ewigen Partnerin in den Ritualen.

Elena
Eine wohlhabende, elegante Witwe in Oaxaca, die in ihrem Anwesen geheime, sexuell explizite Rituale zu Ehren der Toten organisiert. Sie fungiert als Hohepriesterin dieser Riten und initiiert Marisol in die Gruppendynamik.
»Die Toten flüstern deinen Namen. Und bald wirst du lernen, wie man ihnen antwortet. Mit deinem ganzen Körper.«
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Führt Marisol in die Rituale ein und übergibt ihr am Ende (ein Jahr später) symbolisch die Leitung, bleibt aber eine zentrale Figur.

Xolotl
Der aztekische Hundegott der Unterwelt. Er nutzt Diego als sein menschliches Gefäß, manifestiert sich aber auch als unsichtbare, spirituelle Präsenz, um an den sexuellen Ritualen teilzunehmen und Marisol zu beanspruchen.
»Dein Körper ist der Pfad.«
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Nimmt Marisol spirituell und physisch in Besitz und macht sie zu seiner ewigen Priesterin.

Rosa
Marisols Freundin, die oft unangekündigt in ihr Atelier platzt. Sie kennt die Gerüchte über Diego und Elena und ermutigt Marisol, an den Festivitäten teilzunehmen.
»Du siehst aus wie eine Göttin, die gerade gevögelt wurde, von Geistern.«
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Bleibt eine Randfigur, die als Katalysator für Marisols ersten Schritt in die Öffentlichkeit dient.

Lila
Eine der jungen Catrinas, die von Elena für die Rituale ausgewählt wurden. Sie fungiert als Dienerin und Botin der Toten.
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Bleibt eine treue Dienerin in Elenas Ritualen.

Carmen
Eine weitere Catrina in Elenas Zirkel, die bei den Ritualen hilft. Sie ist kräftiger gebaut als Lila und nimmt aktiv an den sexuellen Handlungen teil.
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Bleibt eine treue Dienerin.

Abuela
Marisols vor drei Jahren verstorbene Großmutter. Sie erscheint Marisol in Träumen und Visionen, um ihr die wahre Bedeutung der Rituale zu lehren, bei denen die Toten durch körperliche Lust geehrt werden.
»Die Toten wollen nicht nur Blumen und Brot.«
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Führt Marisol in die spirituelle Dimension der Lust ein und tritt dann in den Hintergrund, als Marisol die Lektion verinnerlicht.







Kapitel 1Die erste Bemalung
In einem Atelier in Oaxaca beginnt Marisol, ihren Körper für die Toten zu bemalen, während eine alte Sehnsucht in ihr erwacht. Ein Vortrag über die Catrina führt sie zu einem Fremden, dessen Blick mehr zu wissen scheint, als er sagt.
Kapitel 2Der Tanz der Catrinas
Während die Bemalung ihren Körper vollständig verwandelt, lockt das Fest der Casa de la Cultura Marisol in die Nacht hinaus, wo Diego ihre Grenzen erneut prüft. Doch die Toten, sagt sie, verlangen Geduld.
Kapitel 3Die Botschaft der Abuela
Ein Traum von ihrer verstorbenen Großmutter verändert, wie Marisol die Opfergaben versteht, und in einem verborgenen Innenhof wird die Grenze zwischen ihr und Diego endlich durchbrochen. Eine neue Bekanntschaft am Zócalo verspricht noch mehr.
Kapitel 4Der Rauch von Copal
In Diegos altem Kolonialhaus verdichtet sich der Rauch des Copal zu etwas Lebendigem, während beide Liebende tiefer in ein Ritual gleiten, das keine Umkehr mehr kennt. Was zwischen ihnen geschieht, gehört längst nicht mehr nur ihnen.
Kapitel 5Die Weihe im Garten
Auf Elenas Anwesen wird Marisol formell in einen geheimen Kreis eingeführt, wo Hingabe und Vision sich vor einem alten Spiegel vermischen. Was sie dort zum ersten Mal sieht, wird sie nie wieder loslassen.
Kapitel 6Allerheiligen
Beim großen Fest der Casa de la Cultura verschwimmen die Grenzen zwischen öffentlichem Tanz und privater Hingabe, während Elenas Kreis sich schützend um Marisol und Diego schließt. Die Lebenden und die Toten feiern gemeinsam.
Kapitel 7Der Schrein des Hundegottes
Diego enthüllt ein Geheimnis, das er sein Leben lang verborgen hat, während ein obsidianischer Spiegel und dichter Rauch eine Grenze zwischen den Welten öffnen. Was Marisol dort spürt, ist mehr als nur ein Mann.
Kapitel 8Der Kelch
Elena erklärt Marisol zum Gefäß des Kreises, und in ihrem Garten wird sie auf ein Podest gehoben, das keinen Rückzug mehr erlaubt. Die Nacht verlangt alles, was sie zu geben hat.
Kapitel 9Der Pfad nach Mictlan
In der tiefsten Stunde der Nacht öffnet Elenas Garten einen Weg, der nicht mehr nur symbolisch ist, und Marisol wird zum Tor zwischen den Welten. Etwas Uraltes beginnt, wirklich Gestalt anzunehmen.
Kapitel 10Die Spaltung der Seele
Zwischen Zweifel und Hingabe zerbricht etwas in Marisol, während eine Stimme ihr verspricht, dass die Spaltung notwendig ist, um ganz zu werden. Die Nacht verlangt, dass sie loslässt.
Kapitel 11Das Gebet
Marisol übernimmt die Führung des Rituals und wird vom Gefäß zur treibenden Kraft, während der Kreis sich enger um sie schließt. Was hier geschieht, ist längst mehr als Verlangen.
Kapitel 12Der Knoten
Kurz vor der Dämmerung verschmilzt der gesamte Kreis zu einem einzigen, atmenden Organismus, in dessen Zentrum Marisol steht. Die Grenze zwischen den Körpern verschwindet, ebenso wie die zwischen den Welten.
Kapitel 13Die Ankunft des Gottes
Die Menschen treten zurück, und etwas Altes tritt endlich selbst in den Garten, um zu nehmen, was ihm längst versprochen wurde. Marisol kniet allein in der Mitte, bereit oder nicht.
Kapitel 14Die Nachsorge
Im Morgenlicht wird aus der Erschöpfung eine zärtliche Stille, während der Kreis sich sanft um Marisol schließt. Sie beginnt zu verstehen, dass die Toten sie nie wieder ganz verlassen werden.
Kapitel 15Das ewige Flüstern
Ein Jahr später steht Marisol nicht mehr als Suchende, sondern als Hüterin eines Kreises, der sich jede Nacht der Toten erneuert. Das Flüstern, das einst begann, wird niemals wieder verstummen.
Das Ritual
Das Kompendium zur Novelle: Día de los Muertos ehrlich erklärt – Ofrenda, Copal, Cempasúchil und die Geschichte der Calavera Catrina. Jugendfrei, mit Respekt.
»Die Nacht der Catrina – Ein Ritual aus Haut und Feuer«
Erschienen als E-Book bei Amazon.
Als E-Book bei Amazon kaufenRezensionsexemplare für Redaktionen und Blogs gern auf Anfrage: kontakt@aureliasteiner.com
| Form | Novelle |
| Erschienen | 2026 |
| Umfang | ca. 15.500 Wörter |
| ISBN | 9783819451232 |
| Sprache | Deutsch |
| Empfehlung | ab 18 Jahren |















